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Vortrag gehalten auf der AGIT 98, Symposium für angewandte Geografische Informationsverarbeitung 1998 in Salzburg:
"10 Wege zu glücklicheren Karten - farbige Tips zum GIS-Karten-Design"
Was es zu sehen gibt? 10 Anregungen, um aus guten GIS-Karten glücklichere GIS-Karten (mit glücklicheren Anwendern) zu machen.
Als Fortsetzung des Beitrages "Gute Karten - schlechte Karten" auf der AGIT 1997 sollen anhand plastischer Beispiele und dynamischer Karten dem interessierten Anwender Einblicke in die bunte Welt der kartografischen Geheimcodes gegeben werden: in die Möglichkeiten, wie man kartografische Schummeleien und Manipulationen erkennt, worauf man achten muß, was man in Karten weglassen sollte (und was nicht). Und in der Tradition der AGIT, alles andere als trockene Theorie...
Man soll es nicht glauben, und gerne wird es vergessen, aber die schöne bunte Welt der Kartografie ist ein Mittel zur Sicherung von Herrschaft. Schon früher diente sie zur Eroberung von Besitz und zur GRENZziehung und Schaffung von Ordnung. Karten waren früher ausschließlich im Besitz von Königen; diese hatten als einzige Zugang zum dem Geheimwissen - dem Raum, der Umgebung.
Karten bergen viele Geheimnisse; sie besitzen einen Geheimcode, dessen Entzifferung erlernt und geübt werden muß. Es liegt auch an jedem einzelnen von uns, ob wir dieses "Geheimwissen" transparent machen, oder ob wir es zur weiteren AbGRENZung nutzen.
Und noch heute ist der Zusammenhang zwischen Kartografie und dem Militär offensichtlich (Beispiel "virtuelle Kriegsführung" mithilfe dreidimensionaler kartografischer Modelle im Golfkrieg). Dies führt(e) zu einer Art "doppelter Buchführung" in der Kartografie: Das Militär arbeitet mit den "echten" Daten, die zivilen Daten sind absichtlich verfälscht (Beispiel DDR: Ausgabe Staat, mit Aufdruck "Streng geheim" - Ausgabe Volkswirtschaft mit großen weißen Flecken). Dabei sind Karten alles andere als realitätsnah. Karten geben niemals die Realität wieder, sie können stattdessen immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit darstellen.
Im folgenden finden Sie einige Anregungen aus der kartografischen Praxis. Wie immer wird dieser Teil auf der AGIT durch zahlreiche Beispiele mit Leben gefüllt.
Tip 1: Denn Sie wissen hoffentlich was Sie tun!
Denken Sie immer daran, wer das "Opfer" Ihres Tuns ist. An der Zielgruppe richten sich alle weiteren Schritte aus. Erstellen Sie eine Karte für die geplante Flughafenerweiterung, dann gehen Sie in sich und fragen Sie, wem Sie sich verantwortlich fühlen: der Öffentlichkeit, die diese Karte zur Untermauerung ihres Protestes nutzt oder dem Auftraggeber, der Ihre Arbeit bezahlt.
Tip 2: Welche Kartenprojektion brauche ich?
Zeitgenössische Kartografie repräsentiert auch immer Mythen und Weltbilder (so wurde zur Zeit des Kalten Krieges bewußt eine Kartenprojektion gewählt, auf der Asien im Vergleich zu Nordamerika überproportional groß dargestellt wurde, um die "Rote Gefahr" zu "verdeutlichen").
Tip 3: Karten sind genau? Denkste!
Der gemeine Kartennutzer denkt, zumindest die amtlichen topografischen Karten seien präzise. Ach was. Karten sind immer nur so genau, wie der jeweilige Maßstab es zulässt. Schon ab einem mittleren Kartenmaßstab sind Straßen und Orte nicht mehr lagetreu darstellbar.
Aus Gründen des Copyright lassen Straßenkarten-Verlage notariell beglaubigte Ungenauigkeiten in Karten einbauen, um wirkungsvoll gegen Plagiate vorgehen zu können.
Tip 4: Karten lügen nicht?
Das Fälschen von Karten ist so alt wie die Kartografie selbst. Das Verfremden von Informationen ist mal sinnig wie z.B. zum Schutz seltener Pflanzen und Tieren in einem Landschaftsschutzgebiet. Es ist unsinnig und lächerlich z.B. das Ausradieren von Westberlin auf alten Ostberliner Stadtplänen.
Seien Sie ehrlich und korrekt, stecken Sie die Grenzen der Notwendigkeit der Manipulation so eng wie möglich, und bleiben Sie somit glaubwürdig.
Tip 5: Farben sollen führen, nicht irreführen!
Man sieht es immer wieder, eine Karte zum Thema "Wasser" ist in allen Farbtönen des Regenbogens, in nichtassoziativen Farben ausgemalt, Karten mit warmen und kalten Bereichen werden kunterbunt bemalt. Dies irritiert den Betrachter, die Karte wird unlesbar, der Nutzer genervt.
Ähnliche Farbtöne verkörpern ähnliche Merkmale, kontrastierende Farbtöne verschiedene Merkmale. Wer dieses Prinzip beherzigt, erspart dem Nutzer viel Verwirrungen. Achtung! Farbtöne haben unterschiedliche Dichte und Wertigkeiten. Ein helles orange wirkt dunkler als ein helles cyan. Bei Klassifizierungen sollte darauf geachtet werden, Farben zu wählen, die ihren Wertebereich repräsentieren!
Tip 6: Freistellung tut dem Auge gut
Die Freistellung von Schrift macht Karten erst lesbar. Positionieren Sie Beschriftung möglichst rechts vom Ortspunkt und immer dort, wo sie möglichst wenig von der Zeichnung verdeckt. Damit stellen Sie sicher, daß das Kartenbild ruhig wirkt. Achten Sie bei der Schriftplazierung auf den Uhrzeigersinn (rund um eine Punktsignatur herum), denn dies entspricht den Sehgewohnheiten.
Tip 7: Warum sind Internetkarten bisher selten hübsch
Berücksichtigen Sie bei der Gestaltung von Internetkarten die Auflösung und die Farbtiefe. Sie werden unglücklich, wenn ihre wundervolle Karte mit 24bit-Farbtiefe zwar hübsch aussieht, aber keiner sie im Internet betrachtet, da die mittlere Ladezeit 2 Stunden 45 Minuten beträgt.
Denken Sie daran, daß auf einer einfachen Grafikkarte die Schrift mindestens 7 Punkt groß sein muß, um lesbar zu sein?
Tip 8: Generalisieren heißt weglassen
Damit eine Karte in einem kleineren Maßstab lesbar bleibt, müssen Sie Inhalte generalisieren, das heißt vereinfachen. Für den Kartenzweck irrelevante Informationen werden weggelassen, wichtige Inhalte dagegen betont.
Tip 9: Lassen Sie nichts weg, was wichtig ist
Die Süddeutsche Zeitung vom 19.2.98 meldete, daß der Pilot des US-Jets, der in Cavalese eine Seilbahngondel mit 20 Menschen in die Tiefe riß, eine Landkarte mit sich führte, auf der die Seilbahn nicht eingezeichnet war. Im Gegensatz zu der US-Karte, war die Seilbahn auf Karten des italienischen Militärs durchaus eingetragen. Die US-Streitkräfte sind angewiesen, bei Flügen keine im Ausland produzierten Karten zu verwenden.
Tip 10: Und nochmal: werden Sie sich der Konsequenzen Ihres Tuns bewußt!
In einem Zeitungsausschnitt vom Oktober 1997 war unter der Überschrift "Schon wieder Post-Pleite: Jetzt liegt Aurith in Polen" zu lesen, die deutsche Bundespost habe eine Sondermarke zur Hochwasserhilfe an der Oder herausgegeben. Die Punktsignaturen und ihre Schrift waren so gesetzt worden, daß Aurith und die Ernst-Thälmann-Siedlung, die auf der deutschen Seite der Oder liegen, nach Polen gerutscht waren. Hier mag es ein (peinliches) Versehen gewesen sein, zu anderen Zeiten muß man sich zu dererlei den Vorwurf der politischen Manipulation gefallen lassen.
Doch ähnliches kann auch Absicht sein. Schummeln ist heute, mit der digitalen Kartografie, noch einfacher als früher. Denn sehr gerne verewigen sich auch die Kartenautoren in ihren Werken, manchmal nur in wenigen Pixeln und kaum auf dem endgültigen Ergebnis sichtbar, manchmal wächst aber auch ein neuer Berg in der Landschaft mit dem Namen des Autors. Es dauert lange bis der "Mount Stengel" erkannt wird und abgetragen werden kann...

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